Ich bestimme, wer über mein Vermögen verfügt!

Wer infolge eines Unfalles, wegen plötzlicher schwerer Erkrankung oder Altersschwäche nicht mehr selber für sich sorgen kann und urteilsunfähig wird, ist auf die Hilfe Dritter angewiesen. Mittels eines Vorsorgeauftrags kann jede urteilsfähige Privatperson sicherstellen, dass dann jemand anders die notwendigen Angelegenheiten erledigen kann. Vor allem betagte Menschen können so ihren Willen rechtzeitig festhalten und eine nahestehende Person oder Fachstelle zur Regelung ihrer Angelegenheiten für den Fall der Urteilsunfähigkeit beauftragen und ermächtigen. Liegt ein rechtsgültiger Vorsorgeauftrag vor, können sehr oft Massnahmen der KESB, die meist mit zusätzlichem Aufwand und Kosten verbunden sind, vermieden werden.
Diese ermächtigte Vertrauensperson kann man für alle oder nur einen dieser Bereiche einsetzen: persönliches Wohl (= Personensorge), Finanzen (= Vermögenssorge), als Vertretung in recht¬lichen Angelegenheiten.
Die Personensorge umfasst die Befugnis, über medizinische Massnahmen zu entscheiden, sofern keine Patientenverfügung vorliegt. Ebenso, ob die notwendige Pflege zu Hause erfolgt oder im Pflegeheim. Bei der Vermögenssorge geht es vorwiegend um den Zahlungsverkehr und die Bewirtschaftung von Einkommen und Vermögen. Die Vertretung im Rechtsverkehr berechtigt vor allem, Verträge abzuschliessen oder aufzulösen.
Form: Es gibt zwei Möglichkeiten – eigenhändig oder mit öffent¬licher Beurkundung. Bei der ersten Variante müssen Sie den ganzen Text selber von Hand schreiben, datieren und unterzeichnen. Bei der zweiten wenden Sie sich an ein Notariat, einen Rechtsanwalt oder Treuhänder.
Aufbewahren: Taucht das Dokument im Ernstfall nicht auf, nützt die beste Vorsorge nichts. Verwahren Sie es deshalb nicht in einem privaten Safe oder im Tresorfach. Besser übergeben Sie den Vorsorgeauftrag bereits
der Person Ihres Vertrauens. Sie können den Hinterlegungsort zusätzlich auf dem Zivilstandsamt melden, dann wird der Ort in einem zentralen Register eingetragen.
Vertrauensperson: Sie können jede handlungsfähige Person über 18 Jahre zu Ihrer Vertreterin oder Ihrem Vertreter ernennen. Sinnvoll ist es, eine Ersatzfrau oder einen Ersatzmann zu bestimmen, falls die Nummer eins das Mandat nicht übernehmen kann.
Gültigkeit: Um einen Vorsorgeauftrag zu erteilen, muss man urteilsfähig und über 18 Jahre alt sein. Der Auftrag tritt erst in Kraft, wenn Sie nicht mehr ¬urteilsfähig sind. Er erlischt, ¬sobald Sie wieder urteilsfähig werden. Bevor die Vertrauensperson tätig werden kann, muss sie sich an die Erwachsenenschutzbehörde wenden. Erfährt die Behörde sonstwie von der Urteilsunfähigkeit, informiert sie sich beim Zivilstandsamt, ob ein Vorsorgeauftrag vorliegt.
Die Behörde prüft, ob das Dokument gültig ist, ob Sie tatsächlich urteilsunfähig sind und die von Ihnen beauftragte Person geeignet ist. Ist alles in Ordnung, erhält die Vertrauensperson ¬eine Urkunde über ihre Befugnisse. Erst damit kann sie über Ihr Konto verfügen, den Miet¬vertrag kündigen oder über
eine notwendige medizinische Behandlung entscheiden.
Solange Sie urteilsfähig sind, können Sie den Vorsorgeauftrag jederzeit widerrufen, zum Beispiel indem Sie die Urkunde ¬vernichten.

Vollmacht
Ähnliche Wirkungen wie ein Vorsorgeauftrag hat eine Vollmacht. Eine Vollmacht gilt grundsätzlich jedoch bereits ab ihrer Erteilung. Falls die Vertretung jedoch erst ab Eintritt der eigenen Urteilsunfähigkeit möglich sein soll, ist es seit Inkrafttreten des neuen Erwachsenenschutzrechts nicht mehr möglich, dies mittels Vollmacht zu regeln.
Ein häufig diskutiertes Problem ist auch die Regelung der Vollmachten im Todesfall.
Die Banken sind verpflichtet, die Vermögenswerte eines Kontoinhabers zu sperren, sobald sie von dessen Hinschied Kenntnis haben. Danach können einzig die mit dem Todesfall direkt zusammenhängenden Kosten über das Konto des Verstorbenen beglichen werden. Die Sperrung gilt selbst dann, wenn es sich um ein mit einer weiteren Person gehaltenes Kollektivkonto handelt. Ebenso gehen zu Lebzeiten erteilte Bevollmächtigungen mit dem Tod eines Kontoinhabers unter. In einem Todesfall sind faktisch nur noch die Erben gemeinsam verfügungsberechtigt. Zur Legitimation und Freigabe der Kontoguthaben haben die Erben einen Erbschein vorzulegen.
Alternative:
Für Personen, die nur eine auf den gemeinsamen Stamm lautende Bankverbindung pflegen, kann eine Compte-joint-Beziehung vor unliebsamen Überraschungen im Todesfall schützen. Es kann aber auch ergänzend zu Einzelvermögen eingerichtet werden, um die Verfügungsfreiheit bei Todesfällen gegenseitig zu gewährleisten.
Die Compte-joint-Beziehung, auch „und/oder“-Beziehung genannt, basiert auf einer Solidaritätsvereinbarung, welche zwei oder mehrere Personen abschliessen. Die Compte-joint-Vereinbarung, welche neben Konti auch Depots sowie Safes umfassen kann, hat zur Folge, dass jeder Mitinhaber alleine und unbeschränkt über die hinterlegten Vermögenswerte verfügungsberechtigt ist. So können alle Kontoinhaber selbständig Geld abheben, Guthaben verpfänden, weitere auf die entsprechenden Namen lautende Konti oder Depots eröffnen, die Gesamtbeziehung saldieren oder Vollmachten erteilen. Alle Kontoinhaber haften der Bank gegenüber als Solidarschuldner gemäss OR Art. 143 ff. für sämtliche Ansprüche der Bank, auch dann, wenn diese Ansprüche aufgrund von Weisungen oder Verpflichtungen eines Einzelnen entstanden sind. Voraussetzung für eine Compte-joint-Beziehung ist demzufolge absolutes gegenseitiges Vertrauen zu Lebzeiten.
Beim Ableben oder bei der Handlungsunfähigkeit eines Kontoinhabers bleibt das uneingeschränkte Verfügungsrecht des überlebenden Teilinhabers bestehen. Die Vermögenswerte werden also nicht gesperrt. Erbrechtliche Ansprüche von Drittpersonen bleiben natürlich bestehen.
Wollen Sie mehr zum Thema Vorsorgeauftrag und/oder Compte-joint-Beziehung erfahren? Gerne beantworten wir Ihnen Ihre Fragen in einem persönlichen Gespräch.

Neuste Beiträge

Beginnen Sie mit der Eingabe und drücken Sie Enter, um zu suchen